Kurt Lenk – Schüler von Horkheimer, Adorno, Schmid – zerreißt in seinem Buch die Vordenker der Neuen Rechten. Dabei geht er recht schonungslos und in einer fast schon peinlichen Undifferenziertheit plump vor. Mehr noch: Er brüstet sich in der Einleitung des Buches sogar mit seiner Absicht, den “schwindelhaften Verheißungen” der “Mystifizierung eines großen gemeinschaftlichen ‚Geschicks’” (S. 17) entgegenzutreten. Dabei erscheint es eines Politologen, eines Wissenschaftlers also, doch recht unwürdig, eine einseitige Betrachtung in ein akademisches Kleid zu stecken.
Er behandelt Hans Freyer, Martin Heidegger, Ernst Jünger, Carl Schmitt, Georges Sorel und Oswald Spengler. Jeden der ausgewählten Denker beehrt er mit einem Kapitel. In seiner Einleitung, die er „Amor fati – Politik als Schicksal” nennt, gelingt es ihm, die Denke der Neuen Rechten grob, aber treffend zu skizzieren. So stellt er richtigerweise fest: „Der Verurteilung des allgemeinen ‚Geredes’, das alle Gemeinschaftwerte auflöst und ‚zersetzt’, entspricht das für die rechte Weltsicht zentrale Motiv einer Kritik der ‚Dekadenz’ moderner Gesellschaften” (S. 14).
Problematisch sind diese Ausführungen jedoch dann, wenn er diese Skizze sinnentstellend überzeichnet: „In ihnen (Volk, Staat, Nation; M.B.) soll die Wirklichkeit mit einem Sinnmoment aufgeladen sein, das jenseits aller bloßen ‚Moral’ das Handeln rechtfertigt.” (S. 13). Der Unwille zur Objektivität wird dann deutlich, wenn Lenk die klassische Diffamierungstaktik des Nennens von unterschiedlichen Dingen in einem Atemzug anwendet. So setzt er „das kommende Reich, die mächtige Nation oder [den] autoritäre[n] bzw. total[en] Staat” (S. 15) gleich. Ein wirksames Mittel, welches sich – nebenbei bemerkt – in allerlei Richtungen anwenden lässt: „rechts = rechtsradikal = rechtsextrem = neonazistisch” oder auch „Islam = Islamismus = AlKaida = Taliban”. Gleiche Taktik, gleichermaßen dummdreist, gleichermaßen falsch.
Lenks Einseitigkeit sei an seinen Ausführungen zu Ernst Jünger beschrieben, die er „Faszination der Gewalt” nennt. Bis auf den „Waldgang” (von 1951) bespricht er allesamt Titel, die in der Zeit von den Zwanzigern bis zum Ende des zweiten Weltkrieges entstanden sind. Nur, wenn der Politologe den Schriftsteller als „Vordenker der Neuen Rechten” betrachtet, ist es dann nicht zu einseitig, Jüngers restliches Wirken auszublenden? Sollte der neurechte Konservative dieser Tage tatsächlich nur noch Literatur bis 1945 lesen? Schwerlich vorstellbar.
Seine kritische Meinung über die Vordenker ist legitim. Soll er sie ruhig vertreten, immerhin vertritt er offen den Anspruch, ein „nachbetendes Epigonentum [...] im [...] Glanze avanciertesten Denkens” sichtbar zu machen (S. 17). Trotz dieser Offenheit ist ihm jedoch vorzuwerfen, dass er eine Schmähschrift in einen wissenschaftlichen Mantel mit ausführlicher Bibliographie, detaillierten Anmerkungen und hochgestochenem Ductus hüllt.
Der Fakt, dass die Schrift im Campus-Verlag in der Reihe “Einführungen” erschienen ist, gibt dem ganzen dann eine weitere Facette des negativen Beigeschmacks: So sollen einseitige Einführungen doch nicht immer die besten sein. Lenk wünscht sich, ein feines Florett vorgelegt zu haben. Gelungen ist ihm nur die stumpfe Keule.

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