Paulo Coelho: Veronika beschließt zu sterben

15. Mai 2009 § 0 - von Martin J.G. Böcker

»Erst wenn die Menschen dem Tode nahe sind, begreifen sie, wie großartig das Leben ist.« Paulo Coelho

Veronika wohnt in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana und hält sich für einen vollkommen normalen Menschen. Sie will sich nicht einfach nur so umbringen. Sie ist nicht depressiv oder verbittert, sie ist nicht todkrank oder unglücklich. Vielmehr erkennt die junge Frau, dass ihre Zukunft lediglich Alter, Krankheit und Einsamkeit mit sich bringen würde. Veronika erkennt auch, dass nichts in der Welt ist, wie es sein sollte – und es obliegt ihr nicht, daran etwas zu ändern . Warum also weiterleben? Mit dieser Logik entscheidet sie sich, zu sterben, nimmt eine Überdosis Schlaftabletten und… scheitert. Sie wacht in Villete, der Nervenheilanstalt von Ljubljana auf und hier nimmt die Geschichte ihren Lauf.

Die 2000 im Diogenes Verlag erschienene Erstausgabe des Romans “Veronika beschließt zu sterben” von Paulo Coelho erschien 1998 als “Veronika Decide Morrer” im Original. Es wurde aus dem Brasilianischen von Maralde Meyer-Minnemann übersetzt und ist in der der deutschen Taschenbuchausgabe 224 Seiten stark. Dort präsentiert er auch sich selbst, einmal aus Veronikas Sicht, als sie einen Artikel über ein von ihm entworfenes Computerspiel liest, und einmal, als er beschreibt, wie er zu diesem Roman inspiriert wurde. Er erzählt, dass er von Veronikas Geschichte gehört und sich sehr stark dafür interessiert habe, weil er sich in den Sechziger Jahren selbst ein einer Nervenheilanstalt befunden habe.

Seine Eltern hätten ihn einweisen lassen, weil ihnen sein “zwischen Schüchternheit und Extrovertiertheit schwankendes Verhalten suspekt” gewesen sei, “zumal er den Wunsch äußerte ‘Künstler’ zu werden” (vgl S. 24). Mit dieser Erklärung in den Anfängen dieser Geschichte, ist es sehr interessant, einen später erscheinenden Protagonisten zu beobachten, mit dem Veronika sich in der Nervenheilanstalt anfreundet. Auch der scheinbar unheibare Schizophrene “Eduard” war halb schüchtern, halb extrovertiert und wollte Künstler werden. Er verkraftete nicht, dass seine Eltern ihn dazu brachten, von der Kunst abzulassen, um etwas Bodenständigeres zu lernen, sodass sie ihn nach Villete einweisen ließen. Wie er es selbst in den Anfängen der Geschichte äußert, nutzt er hier die Chance, über das Thema zu sprechen.

Neben den vielen kleinen Weisheiten, die Coelho in jedes seiner Werke einfließen lässt, zieht sich die Theorie des  Anstaltsleiter, Dr. Igor, wie ein roter Faden durch die Geschichte, dass es Vitriol sei, welches viele seiner Patienten krank mache. Vitriol ließe sich am besten mit “Bitterkeit” übersetzen, welche entstünde, wenn die sogenannten “normalen” Menschen versuchten, so zu sein, wie alle anderen sind oder so, wie man es von ihnen erwarte. Die Botschaft des Romans, ein selbstbestimmtes Leben etwas abseits der Norm zu führen, Mut zum Anderssein zu haben, um seine persönliches Glück zu finden, geht also mit seinem Gesamtwerk einher.

Neben den kleinen Weisheiten spickt er den Roman ebenfalls mit vielen kleinen Hinweisen auf die daher nicht ganz überraschende Wendung am Ende der Geschichte. Trotzdem bleibt es lesenswert und wer Coelho mag, wir auch dieses Buch mögen. Ich habe es gern und schnell gelesen, es war zwar nicht so spannend, wie “Der Dämon und Fräulein Prym”, aber – in meinen Augen – unterhaltsamer als “Am Rio Piedra saß ich und weinte”.

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