Ein Autor von hoher Bildung und hoher Sensibilität
Mit dem ersten Band von “Heimat ist ein Paradies” legt Viktor Streck, erschienen im Eigenverlag, einen großartigen Roman vor, wie man ihn so auf dem deutschen Buchmarkt schon lange nicht mehr vermutet. Im Zentrum kursieren Werte, die längst vergessen scheinen, aller halbherzigen und oberflächlichen Wertediskussionen der letzten Jahre zum Trotz.
Um Begriffen wie Heimat, religiösem – ja: christlichem! – Bewusstsein, Treue oder Standfestigkeit exemplarisch Geltung zu verschaffen, wählte Streck die Außenperspektive. Protagonist ist Frank, der als junger Russlanddeutscher neu in die ihm örtlich unvertraute, kulturell aber bekannte Heimat seiner Vorfahren siedelt: Deutschland.
Im deutschen MutiKultopia sollte für einen Ausländer alles stimmen. Aber Frank ist anders. Ihn irritiert die Kulturvergessenheit seines neuen Lebensumfeldes, die Dekadenz und Heuchelei seiner Umgebung. Das passt nicht zu den großen deutschen Dichtern und Denkern, denen er Aufmerksamkeit widmete in der deutschsprachigen Diaspora. Allen voran vermisst er auf dem KantGymnasium den Geist gerade des Namensgebers.
Hochgebildet und sensibel findet der Gymnasiast nur schwer Anschluss in seinem Gymnasium. Er hat die Kant’sche Moralphilosophie, vor allem den Imperativ der Wahrhaftigkeit insistiert, was ihn bei Schülern und Lehrern unbeliebt macht. Er polarisiert mit scharf konservativer Ausrichtung, etwa in der Frage zur Schuld des Zweiten Weltkrieges, was das politisch korrekte Umfeld nicht hinzunehmen bereit ist. Schulkonferenz und drohender Rausschmiss bleiben jedoch nicht die einzigen Probleme.
Denn mit Max tritt ein weiterer Schöngeist in die Handlung ein, der mit Frank sofort eine intellektuelle Liebesbeziehung beginnt. Es könnte eine wunderbare Freundschaft sein, wenn Max nicht völlig unverstanden, mit seiner zurückweisenden Umwelt existentielle Schwierigkeiten hätte, die am Ende unweigerlich in die Katastrophe münden. So bekommt der Roman die dramatische Spannung die er braucht, um nicht bloß politisch sondern auch literarisch interessant zu sein.
Kurzum: Ein Roman zur rechten Zeit, am rechten Ort, den man nur empfehlen kann – einer aufgeschlossenen Jugend, einer müden Bürgerlichkeit, einem intellektuellem Konservativismus.

Ganz kurz nur: ich habe das Buch verschlungen, so spannend und erfrischend war es, meine Tochter (16 J.) ebenfalls. Es ist noch zehn mal besser als es in der kurzen Rezension dargestellt werden konnte.
Meine Empfehlung: alle konservativen Eltern sollten ihren Kindern dieses Buch schenken:
- damit sie sehen, daß Konservative keine Außerirdischen sind
- damit sie sehen, daß Erfolg auch möglich ist wenn man nicht alles das tut, was die Klassenkameraden für gut halten
- damit sie sehen, daß in Deutschland gute Literatur geschrieben wird – aus dem Deutschunterricht der Schule kennen sie ja nur aus dem englischen übersetzte Bücher.
Ich warte mit Ungeduld auf den nächsten Band.