“Verantwortung sollte ein jeder von uns in seinem täglichen Handeln tragen.”

2. Dezember 2009 § 2 - von admin

Michael Demanega im Gespräch

Er ist Landessprecher der Freiheitlichen Jugend (FJ), einer Organisation innerhalb der Partei der Freiheitlichen (F) in Südtirol. Sie treten für das Selbstbestimmungsrecht ihres Landes ein und gewannen bei den Landtagswahlen 2008 insgesamt 14,3 Prozent der Stimmen und somit fünf Sitze im Landtag. Privat wohnt der 23-Jährige in Salurn, nämlich dort, wo der zusammenhängende deutsche Sprach- und Kulturraum endet und Italien kulturell beginnt. Er studiert Bauingenieurwesen an der Universitá di Trento.

Ein Gespräch über das Deutschein, die Freiheitlichen, gesamteuropäische Probleme und den Islam.

Michael, du sprichst selbstbewusst von „uns Deutschen“, bist du als Südtiroler also deutsch?

Selbstverständlich fühle ich mich deutsch. Schlussendlich ist die Tiroler Kultur ja auch nichts anderes, als eine Spielart der deutschen Kultur. Damals, als „die Deutschen“ sozusagen erfunden wurden, waren wir Tiroler mittendrin. Wobei man sagen muss, dass Österreich auf jeden Fall unser so genanntes Vaterland bleibt, doch dieses heutige Österreich ist ja auch nichts anderes, als der deutsche Rest des ehemaligen Habsburgerreiches, dem wir bis 1919 angehörten. Das Deutsche ist und bleibt das kulturell Verbindende.

Leider wird in Südtirol häufig der Fehler gemacht, dass man sich davor drückt, vom Deutschen zu sprechen und dass man sich einen bequemen Umweg sucht. Man spricht dann nur noch von Deutschsprachigen, doch was heißt das schon? Auch Italiener können deutschsprachig sein. Und genau da liegt das Problem. Denn sobald wir nur noch als deutschsprachige Italiener aufgefasst werden, ist es aus mit Südtirols Unabhängigkeit. Als italienisches Staatsvolk haben wir freilich kein Anrecht mehr auf unseren Sonderstatus und damit auf unsere Unabhängigkeit.

Bei der Gründung der Freiheitlichen 1992 in Bozen nahm Jörg Haider als Gründungspate teil. Ist das der Indikator für die nationale Verbundenheit mit Österreich?

1992 war das ganz bestimmt ein Ausdruck der Verbundenheit mit Österreich. Man muss sich nämlich vor Augen halten, was damals in Südtirol los war. Durch die so genannte „Streitbeilegung“ wurde die Südtirolfrage für beendet erklärt. Das kam der Aufgabe der Selbstbestimmung durch die Südtiroler Volkspartei gleich. Deshalb gründeten einige mutige Jugendpolitiker eben dieser Volkspartei die Südtiroler Freiheitlichen. Mit der Anlehnung an die Freiheitlichen Jörg Haiders, sollte dem Selbstbestimmungsrecht Südtirols weiterhin parlamentarischer Ausdruck verliehen werden!

Inzwischen ist einiges an Zeit vergangen, und freilich ist die Verbundenheit zu Österreich nach wie vor präsent. Es muss heute aber primär darum gehen, für klare Verhältnisse in Südtirol zu sorgen. Die großen Entwicklungen unserer Zeit, insbesondere die Zuwanderung, machen auch hier nicht halt. Wenn wir uns nur noch auf die Selbstbestimmung konzentrieren würden, liefen wir Gefahr, diese zentralen Herausforderungen zu verschlafen. Dennoch muss es uns heute um eine Lösung gehen, mit der alle drei Südtiroler Volksgruppen leben können. Man glaubt es kaum, aber auch viele Italiener in Südtirol könnten heute mit einer Südtiroler Zukunft ohne Italien leben.

Ist so eine Entwicklung nicht Grund dafür, die von dir angesprochenen Probleme – insbesondere die Zuwanderung – gesamteuropäisch zu lösen? Sollte Europa die Zuwanderung stoppen? Wenn ja, warum?

Die Frage ist doch die, ob es in absehbarer Zeit möglich ist, auf europäischer Ebene eine Veränderung zu erzielen oder nicht. Da bin ich eher skeptisch. Und das nicht nur, weil ich grundsätzlich der Meinung bin, dass Problemlösungen nicht auf die jeweils höhere Ebene verlagert werden sollten. Auch die Erfahrung zeigt, welche Schwierigkeiten entstehen, wenn es darum geht, eine gesamteuropäische Rechtsbewegung zu konstituieren. Ein aussagekräftiges Beispiel hierfür war beispielsweise die Absicht der FPÖ mit der italienischen Rechtspartei rund um Alessandra Mussolini zu kooperieren. Die Konsequenz war die, dass es zum offenen Konflikt und zum Abbruch der Beziehungen zu uns Südtiroler Freiheitlichen kam, weil wir das so nicht hinnehmen konnten.

Vom gesamteuropäischen Standpunkt aus mag vielleicht mancher von einem „kleinkarierten Denken unsererseits“ sprechen, doch für uns handelt es sich bei der Selbstbestimmung Südtirols trotz aller anderen wichtigen Aufgaben immer noch um ein zentrales Anliegen. Wir glauben vielmehr, dass durch Widerstand von unten Veränderungen dort oben erreicht werden können.

Die Regierungen der europäischen Staaten werden mittelfristig nicht mehr um eine Begrenzug der Zuwanderung herumkommen, wenn sie sich über die nächste Wahl retten wollen. Die Akzeptanz für Zuwanderung, insbesondere solche, die in die gemeinschaftlichen Sozialsysteme geht, nimmt in dem Maß ab, wie die Nachteile in kultureller, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht deutlicher werden. Hier in Südtirol kommt die Mehrheitspartei heute nicht mehr an unseren freiheitlichen Konzepten in der Zuwanderungsfrage herum. Heute werden in Südtirol auch aus dem Grund unsere Vorschläge gemacht, weil die Südtiroler ihr Land nicht eines Tages an derselben Stelle sehen wollen. wie die Bundesrepublik. Sie ist für uns, so tragisch es klingt, ein Negativbeispiel.

In deiner grundsätzlichen Meinung, dass Problemlösungen nicht auf die jeweils höhere Ebene verlagert werden sollten, stimmst du mit der ebenfalls subsidiär strukturierten Bürgerbewegung Pro Köln überein. Kennst du diese Bewegung?

Mir ist der Antiislamisierungskongress in Köln in Erinnerung geblieben, der in den internationalen Medien intensiv behandelt wurde. Erschreckend war dabei das Verhalten der Linken, die sonst immer so tun, als stünden sie für Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Sie haben einmal mehr ihr wahres Gesicht gezeigt, als sie mit Pflastersteinen um sich gehauen und ganze Straßen blockiert haben. Ihrer Aufgabe sind dabei offensichtlich auch die Exekutivbeamten nicht nachgekommen, die das Treiben der militanten linken Gruppen weitgehend zugelassen haben. Das war alles ziemlich erschreckend. Da hat man sich ernsthaft die Frage gestellt, ob die Bundesrepublik noch ein freies Land ist oder eben nicht. Innerhalb ihrer Grenzen scheint der Umgang mit einigen politischen Themen schlichtweg unmöglich. Köln und Südtirol sind allerdings, aus verschiedensten Gründen, nicht miteinander vergleichbar und letztlich ist uns Südtiroler Freiheitlichen ja auch noch das große Ziel der Freiheit immanent!

Der Freiheit vom Islam?

Es geht um ein Südtirol, in dem unsere Freiheit gewahrt bleibt. Wir müssen uns in diesem Sinne und natürlich nicht nur in Südtirol ernsthaft fragen, wie viel Islam und vor allem welchen Islam wir hier haben wollen. Es ist interessant, dass jene, die bei jeder Gelegenheit die politische Gleichheit predigen, in Sachen Zuwanderung plötzlich die Gleichheit vor dem Gesetz fallen lassen. Die Scharia hält Einzug in die Rechtsprechung und plötzlich erkennen sogar die Linken das Recht einer Kultur auf Anerkennung. Emanzipation und Frauenrechte sind plötzlich vergessen, Menschenrechte verhandelbar. Anstatt auf Moscheen und Minarette zu pochen, sollten sich die Muslimverbände lieber ihrer Bringschuld bewusst, diesen tatsächlichen Problemen annehmen.

Jene, die diese Entwicklung kritisch beobachten und auf Missstände aufmerksam machen, wird das Recht auf freie  Meinungsäußerung abgesprochen. Nicht in der Rechtsprechung! Das geht heute klüger! Man stigmatisiert Gruppen und die Äußerung gewisser Dinge als rechtsextrem und verhindert somit freien Diskurs, dessen unsere Gesellschaft so bedürfen würde! Freiheit bedeutet für uns in jedem Fall auch die Wahrung jenes kulturellen Wertesystems, das diese Freiheit erst ermöglicht hat. Innerhalb dieses Wertesystems haben alle, auch Muslime, genug Freiraum. Vorausgesetzt, sie erkennen die historisch gewachsenen Normen und Werte des Okzidents an.

Wenn du dich in Europas modernen Städten umschaust, empfindest du dann die Kritik vieler Muslime am dekadenten Westen nicht als gerechtfertigt?

Der Westen verfolgt heute tatsächlich Werte, die zu einem Großteil nationaler Identität entbehren, das entsolidarisiert ein Volk und senkt die Attraktivität sich ihm und seinen Werten zugehörig zu fühlen. Hedonistische Lebensauffassungen und ein Freiheitsverständnis, das zu tun und lassen, was immer man will, führt in letzter Konsequenz in die völlige Orientierungslosigkeit. Familie, Gemeinschaft, Kultur und Religion sind für eine solche Weltanschauung, die man ohne weiteres eine Unkultur nennen kann, nur noch lästig. Wo man zusätzlich noch christliche Symbole und damit unsere kulturellen Wurzeln aus dem öffentlichen Raum verbannt, macht man den Muslimen die Identifikation mit unserem Volk und seiner Kultur tatsächlich unnötig schwer.

Broschüren zum Thema Sexualität konzentrieren sich vor allem darauf, wie man Schwangerschaften verhindern oder abtreiben kann. Um Liebe oder Familie geht es da nicht mehr. Der Papst spricht zu Recht von einer „Kultur des Todes“ und das alles sind freilich Gründe die es den Muslimen leicht machen vom „dekadenten Westen“ zu sprechen. Was getan werden muss um dem entgegen zu wirken, dürfte offensichtlich sein.

Eine Belebung des eigenen, in Südtirol katholischen, Glaubens? Oder knallhart rechte Politik?

Für uns ist Religion in erster Linie Privatsache, wir wollen und können uns nicht in religiöse Angelegenheiten eines jeden Einzelnen einmischen. Wir bekennen uns aber natürlich zu den Werten unserer Kultur, die christlich sind und hierdurch werden auch die Interessen der Mehrheit der Südtirolerinnen und Südtiroler, die nun einmal katholisch sind und bleiben, vertreten! Zu diesen christlichen Werten würde ich ganz besonders die Wertschätzung der Familie als Grundlage der Gesellschaft zählen, aber auch den Schutz des Lebens in einem Zeitalter, in dem Abtreibung und Befruchtungen im Reagenzglas an Bedeutung gewinnen. Wer in diesen Bereichen nicht von Menschenverachtung spricht, sollte sich auch sonst abgewöhnen, davon zu sprechen. Nicht zuletzt geht es um die soziale Verantwortung des Einzelnen. Verantwortung sollte ein jeder von uns in seinem täglichen Handeln tragen. Nicht ein Sozialstaat, der niemals ganz gerecht sein kann. Darum geht es uns in unserer Politik und das ist durchaus christlich!

Allgemeinhin sind wir als Freiheitliche jedoch eine nationalliberale und keine christlichsoziale Partei. In einer Gegenwart jedoch, in der es andere nicht mehr wagen, offen zu den Werten unserer Kultur zu stehen, in der man eine linke Weltanschauung mit Sachpolitik verwechselt, können es durchaus auch Nationalliberale sein, die zu Verteidigern christlicher Werte avancieren! Wir sind als solche die einzige wirkliche Alternative zur Südtiroler Volkspartei, weil wir uns nicht in ein imaginäres Zentrum schwindeln, sondern eine Richtung vorgeben, die man am Einfachsten als „rechts“ bezeichnen kann!

Michael Demanega, vielen Dank für das Gespräch.

Die Freiheitlichen im Internet: Hier.

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