“Was bedeutet Freiheit? Wie frei und souverän ist man gegenüber sich selbst, und ganz allein auf sich selbst gestellt? “

21. November 2009 § 7 - von Martin J.G. Böcker

Martin Lichtmesz im Gespräch

Schwarzes Hemd, schwarze Hose, schwarze Stiefel. Martin Lichtmesz gewährt mir ein Interview in einem eleganten Lokal, irgendwo in Berlin. Weder der Wiener, noch sein Stammcafé sind mit einem Wort zu beschreiben. Das Lokal: Straßengeräusche, offene Fensterfront, starker Kaffee. Der Wiener: Cineast, Comic-Experte, Fachmann für Subkulturen.

Dazu sein „Schmäh“. Das hat diesen Hauch von Bohème; ambivalent und verletzlich vielleicht, aber trotzdem. Er ist der Typ, der einen anfasst beim Reden. „Schau’“, sagt er dann und versucht in Worte zu fassen, wie er denkt, fühlt, zweifelt.

Irgendwann kam seine Freundin dazu, eine hübsche Italienerin. Und man fragte sich dann, warum er manche Dinge so schwarzsieht. Also im Sommer, in Berlin, im Stammcafé, mit ihr. Nun, vielleicht sieht er etwas Größeres und erkennt die Ausweglosigkeit. Vielleicht.

Guten Tag. Ziemlich elegant hier, dieses Café.

Ja, dem Klischee zufolge hat jeder Wiener so sein Stammcafé.

Du bist gebürtiger Wiener?

Gebürtig ja, aber kein waschechter, denn aufgewachsen bin ich in Niederösterreich.

Und was hat dich nach Berlin verschlagen?

Ich bin nach Berlin gegangen, um an einer Filmakademie zu studieren. Dort habe ich Dokumentar- und Kurzspielfilme gedreht.

Ich würde sagen, du bist ein Rechter. Vom Äußeren entsprichst du aber gar nicht dem Klischee eines Rechten.

Was ist denn deiner Meinung nach das Klischee eines Rechten?

Kurze Haare, Hemd in der Cordhose?

Dann schauen sie aus wie du.

Naja. Auch die Themen, die du in deinen Artikeln behandelst, widersprechen dem Klischee. Da gab es zum Beispiel auf der Netzseite der Sezession eine Serie über Comics, ist das nicht ungewöhnlich?

Meine Hauptinteressen sind eigentlich keine politischen. Für die JF etwa bin ich in erster Linie als Filmkritiker tätig. Comics sind Bestandteil einer visuellen Kultur, die eng mit dem Film verbunden ist. Da ich nun aber für ein politisches Blog schreibe, interessieren mich natürlich die “Berührungsflächen”. Die „Nouvelle Droite“ in Frankreich hat das sehr gut vorgemacht, indem sie auch in Feldern geschürft hat, die nicht klassisch rechts konnotiert sind, und das aus einer ehrlichen Neugier heraus. Das nannte man dann “Metapolitik”. Das klingt nun etwas extravagant, aber das sind Herangehensweisen, die etwa für die Linke völlig selbstverständlich sind. Dahinter steht die Überzeugung, dass man nicht einfach bloß partikuläre oder sektiererische Interessen vertritt, sondern dass hier Dinge angesprochen sind, die sehr viele Menschen angehen.

Was die Comics betrifft, so ist die Lage in Deutschland ganz anders als in Frankreich oder Italien. Vor allem im französischsprachigen Raum spielen die Comics eine viel stärkere Rolle in der Nationalkultur. Das beginnt schon in den Dreißiger Jahren mit Klassikern wie Tintin oder Spirou. Asterix hat eine riesige Bedeutung, augenzwinkernd freilich, aber natürlich patriotisch. Die “bandes desinées” haben in Frankreich zum Teil den Status von Literatur, in Deutschland dagegen sind sie das Schundheft-Image nie losgeworden. Unter solchen Voraussetzungen ist es natürlich einfacher, “metapolitisch” anzuknüpfen.

Wie könnte man das auf den Film übertragen?

Darüber könnten wir stundenlang reden. Der Film ist ohne Zweifel die bedeutendste Kunstform unserer Zeit, und er hat auch schon das ganze 20. Jahrhundert dominiert. Stärker als andere Kunstformen ist er mit dem Kommerz und der Kultur der Massen verbunden. Darum ist er auch eine mächtige politische Waffe. Verkürzt gesagt, hat jeder Film, unabhängig von seiner Qualität, seinen “metapolitischen” Aspekt, nicht unbedingt so, wie sich Siegfried Kracauer das vorgestellt hat, nämlich psychoanalytisch-marxistisch, sondern weil jeder Film auf seine Weise eine Art von Identitätspolitik betreibt. Gerade das Mainstreamkino kann in dieser Hinsicht ein nicht zu unterschätzender Seismograph sein. Außerdem interessiert mich besonders das Thema der Inszenierung der Geschichte als Film. Der Blick in die Vergangenheit ist immer ein Versuch, die Gegenwart zu reflektieren. Nicht unbedingt so, wie sie ist, sondern eher so, wie sie sich sehen, wie sich selbst wiedererkennen möchte im Spiegel der Vergangenheit oder im Kontrast zu ihr. Das gilt für “Die Päpstin” ebenso wie für “Das weiße Band”. Ähnliches gilt für den Blick in die Zukunft, den Science-Fiction-Film, da spielen aber vor allem nach vorne projizierte gegenwärtige Ängste die entscheidende Rolle.

Der Film kann manipulieren und vereinfachen, die Emotionen steuern, die Wahrnehmung konditionieren und kanalisieren wie kein anderes Medium. Im besten Fall kann er aber auch das Gegenteil, und die verhärteten Krusten der Gewohnheit und der Apperzeptionsverweigerung aufbrechen, den Blick schulen für die Widersprüchlichkeit und Komplexität des Lebens. Das ist sein dramatischer Aspekt: die Widersprüche des Lebens werden nicht aufgelöst, sondern in ein großes, im besten Fall kathartisches Schauspiel überführt. Darin ist der Film der Literatur verwandt. Der Geschichtenerzähler ist der größte Feind der “All-Gemeinheiten”, wie das Doderer nannte. Und damit auch der Ideologien. Mircea Eliade hat das in seiner Novelle “Auf der Mantuleasa-Straße” dargestellt. Der visuelle Aspekt des Films kann wiederum Dinge zum Ausdruck bringen, die über das bloße Erzählen einer Geschichte weit hinausgehen. Das gleiche gilt für seinen Rhythmus, sein Formen der Zeit. Das sind seine lyrischen und musikalischen Aspekte.

Du beschäftigst dich in deinen Aufsätzen gerne mit subkulturellen Dingen, dem Neofolk zum Beispiel. Was zieht dich an daran an?

In meiner Jugend war ich ein richtiger “Grufti”, da habe ich nochmal ganz anders ausgesehen als jetzt. Der Hang zum Abgründigen, Schwarzromantischen, sogar Nihilistischen hat mich sehr geprägt. Nicht unbedingt um seiner selbst willen, sondern um die Tiefendimension des Lebens wiederzugewinnen, um unter die Oberfläche unseres Seins zu gelangen. In dieser Subkultur, die freilich ihre kommerzialisierten, mir widerwärtigen Seiten und Auswüchse hat, drückt sich natürlich auch viel Negation, Trauer und “Unbehagen in der Kultur” aus. Eine Art von passiver Aggression. Der Affekt “gegen die Gesellschaft”, der so typisch für Jugendkulturen ist. Und der besteht natürlich zu Recht.

Der Neofolk war in Deutschland vor allem ein Seitenzweig der Gothic-Szene. Diese Richtung hat ihre besten Zeiten freilich hinter sich. Mit ihrem merkwürdigen Mix aus Runensymbolik, Naturromantik, militärischer und “rechter” Ikonographie, Okkultismus etc., lebte sie sehr stark vom provokativen Spiel mit dem Feuer, aber ohne sich darin zu erschöpfen. Im besten Falle hatte das eine ungeheure, ansteckend alternative Kraft und Poesie. Das kannst du alles in dem sehr guten Buch “Looking for Europe” von Andreas Diesel und Dieter Gerten nachlesen. Tabuthemen haben mich schon immer sehr angezogen. Wo das große rote Schild “Übertreten verboten” steht, da liegt mit Sicherheit ein dicker Hund begraben. Und „Rechts“ ist heute auch so ein Tabuthema. Mit einer subkulturellen, von mir aus auch subversiven Sensibilität kommt man irgendwann automatisch an diesen Rubikon. Ob man ihn dann überschreitet, ist eine andere Sache.

Wenn nun „Links“ ein Tabuthema wäre, würde es dich ebenso anziehen?

Es gibt gewiss Zeiten und Umstände, wo der Geist wirklich “links steht”, und es aufregender, provokanter, kreativer, ja notwendiger ist, “links” zu sein. Ich denke nun dabei etwa an die Surrealisten der Zwanziger Jahre, die ich sehr bewundere. Oder an Künstler wie Pasolini und Bunuel. Es wäre aber auch falsch zu sagen, dass ich einfach nur den Provokateur spielen möchte. Mein Engagement ist eine Frage der Überzeugung. Ich mache das nicht bloß, um den Mainstream zu ärgern oder zu unterwandern. Für mich sind es definitiv inhaltliche Fragen, die zählen, die auf das große Ganze zielen. Ich werde nie vergessen, wie ich mit etwa 24 Jahren Armin Mohlers „Liberalenbeschimpfung“ gelesen habe. Ich habe das in einer Nacht verschlungen und ich wusste mit einem Schlag: „Ganz genauso empfinde ich auch, ganz genauso habe ich schon immer empfunden.“ Es war alles in mir schon fertig ausgebildet, das Fühlen, Denken, die Ab- und Zuneigungen. Aber ich hatte eben keine Ahnung, dass auch das „Rechts“ ist.

Wirst du als Rechter manchmal angefeindet?

Selten. Weißt du warum?

Warum?

Weil ich das eigentlich nie zum Thema mache. Wenn ich mich auf eine Diskussion einlasse, dann sage ich nicht als erstes, dass ich “rechts” bin, weil sich alle möglichen Leute alle möglichen, meistens bösen Dinge darunter vorstellen. Mich interessieren nicht die Etikette, sondern die Inhalte. Ich erlebe oft, dass die Leute mir dann zustimmen, wenn ich über Multikulti- und “Schuldkult”-Heucheleien und -absurditäten spreche. Das sind Dinge, die vernünftige, normale Menschen wahrnehmen, die noch nie etwas von der JF oder irgendwelchen Stephan Brauns oder “Endstation Rechts” usw. gehört haben. Ich denke, dass die meisten Menschen in Deutschland im Grunde ziemlich unpolitisch sind. Da gibt es eine kleine Gruppe von Rechten und eine etwas größere Gruppe von Linken, die sich bekriegen und fest davon überzeugt sind, dass ganz Deutschland auf Anhieb den “Diskurs”, etwa zum Thema “Vergangenheitsbewältigung”, kapiert. Die Linke ist dabei natürlich im Vorteil, weil sie alle Reflex-Knöpfchen “kulturhegemonial” auf ihrer Seite hat. Sind die einmal gedrückt, erübrigt sich das Nachdenken.

Glaubst du denn, dass das Gefühl man sei eine kleine, isolierte Rechte in einem  linkshegemonialen Umfeld nur Einbildung ist?

Letzten Endes ist das eine Tatsache. Für den Großteil der Beteiligten kann ich guten Gewissens sagen, dass die Isolation unfreiwillig geschieht, auch wenn es manche geben mag, die aus Borniertheit oder Prügelknabensyndrom das Ghetto von innen her verschließen. So gut wie jeder, der einen Schritt nach rechts von der Mitte getan hat, hat am eigenen Leibe erfahren, wie schnell scharf geschossen wird. Das ist kein Vergnügen, und kann ernsthafte Benachteiligungen mit sich ziehen.

Wünscht du dir eine vernünftige Partei, welche die Interessen der Neuen Rechten vertritt?

Ich habe keine Sympathie für Parteien irgendeiner Art, und für das Business und die Rhetorik, die damit verbunden sind. Da geht es immer nur um die Außenwirkung. Es geht immer darum, wie man per Manipulation und Show-Brimborium möglichst viele Idioten dazu bringen kann, einem die Stimme zu geben. Das ist einfach nicht meine Welt. Die “Neue Rechte”, wie ich sie verstehe, ist eben keine Partei, und es sind eben nicht die Volksredner und Marktschreier und Plakatekleber, die sich davon angezogen fühlen. Die “Neue Rechte” besteht aus Leuten, die einen individuellen Weg suchen, ihr Leben widerständig zu leben.

So wie eine Avantgarde?

Natürlich sind wir eine Avantgarde. Im eigentlichen Sinn des Wortes. Allerdings ist das inzwischen so ein abgelutschter, prätentiöser Begriff, dass ich ihn nicht mehr benutzen würde. Und er impliziert immer irgendwie, dass man Anhänger braucht, die einem nachfolgen. In der schnellroda’ischen Prägung glaubt man auch nicht an die Rhetorik der Revolution.

An das Reformatorische?

Ich bin pessimistisch. Ich persönlich glaube, dass das System BRD genau so unrettbar ist, wie das System DDR. Kurz vor dem Zusammensturz, in Dimensionen, die weit über die deutsche Misere hinausgehen. Jede Parteigründung ist hier sinnlos, weil das System einen über kurz oder lang neutralisiert, aufsaugt. Wie ein großer Schwamm. Ich halte also weder die Revolution, noch die Reform für eine realistische Option. Es ist alles zu spät. Ich bin eingefleischter Apokalpytiker. Wir warten nur mehr auf den großen Crash. Und der wird alles andere als befreiend sein, wie sich viele Ernstfall-Rechte das vorstellen. Es lohnt sich aber nicht, jetzt darüber nachzudenken.

Kannst du dir eine Welt vorstellen, in der du lieber leben würdest?

Man kann keine Welt auf dem Reißbrett entwerfen…

Aber wenn man „Nein“ zu dem einen sagt, dann will man doch etwas anderes haben?

Also, ich bin kein Ideologe, ich kann darüber nur emotional und subjektiv sprechen. Und diese Frage könnte man von vielen Seiten her beantworten. Was die bürgerliche Seite von mir betrifft, so habe ich ganz tief in mir wohl eine Idealvorstellung von einer Welt, die so ist wie die, in der ich aufgewachsen bin. Eine intakte Mittelklassefamilie, intakte Ehe der Eltern, zwei Kinder, Haus, Auto, Garten, Großfamilie mit Cousins, Tanten, Onkels, Omas. Besitz und Identität. Ich habe als Kind erlebt, dass das eine immense Sicherheit gibt und sinnvoll ist. Aber dann kam der Moment meiner Generation, in dem man sich scheinbar dagegen entscheiden konnte. Bei meinen Eltern war das nur in geringem Maße eine Frage der Entscheidung. Die Bahnen, in denen die Gesellschaft geregelt war, waren so, wie sie sind. Es war klar, dass sie recht früh heiraten, Kinder bekommen und die Kinder taufen. Und nur eine Generation später hat man nicht nur einen Partner, sondern drei oder vier oder mehr hintereinander. Man tritt aus der Kirche aus, bekommt Kinder erst mit 30, 40, wenn überhaupt. Man sucht und studiert ewig herum, zermalmt sich in unbezahlten Praktiken, hangelt sich von einem “Job” zum anderen. Es scheint überhaupt nur mehr “Jobs” zu geben, immer weniger Berufe. Der Fluss des Lebens gerät ins Stocken, und man hat mit Freiheit verwechselt, was Beliebigkeit war. Die Dinge werden unverbindlich, geben keinen Halt mehr, verlieren ihren Sinn, und niemand scheint sich mehr dafür verantwortlich zu fühlen, die Löcher im Boot zu stopfen. Alles, was man erreicht hatte, wird fahrlässig verschludert, und das Heulen und Zähneknirschen darüber ist nicht mehr fern.

Leidest du unter dieser Situation?

Wer denn nicht, der das alles offenen Auges beobachtet? Wir leben in dieser Zeit, in der sich alle Dinge mobilisieren. Es wird immer mehr verlangt, dass du beweglich, ungebunden, “flexibel” bist. So entwickelt sich ein modernes, seelisch labiles Nomadentum und Monadentum. Es wird immer schwieriger, sesshaft zu werden, äußerlich wie innerlich. Das hat fatale Folgen für das Leben.

Aber ist das nicht auch eine Art, frei zu sein?

Natürlich ist es auch so etwas wie Freiheit. Aber was bedeutet Freiheit? Wie frei und souverän ist man gegenüber sich selbst, und ganz allein auf sich selbst gestellt? Da ist man dann bei Gehlen angelangt, der Institutionenlehre und all dem. Oder noch früher vielleicht bei Pascal und seiner Kritik der Zerstreuung, wenn er sagt, dass alles Übel daraus entstünde, dass es der Mensch nicht mit sich allein in einem Zimmer erträgt. Ich bin überzeugt, dass der Einzelne und die Gesellschaft schnell aus dem Ruder laufen, wenn es keine leitenden Schienen mehr gibt.

Würdest du dich nicht gegen diese Schiene wehren, wenn sie da wäre?

Auch das Wehren gegen Einengungen bringt einen weiter. Schlimm ist erst, wenn man ins Leere schlägt, auf keinen Widerstand stößt. Schiene ist vielleicht kein gutes Bild, weil es zu rigide ist. Sagen wir eher Straßen oder Bahnen, linke und rechte Grenze. Eine Bahn, die eine Kontinuität gibt, dem Ungeordneten eine Form gibt. Ein Flussbett, ein Kanal. Man vergeudet so viel Talent und Begabung, wenn man diese Bahn weg brechen lässt. So reißt auch der Fluss des Lebens ab. Genau das passiert heute. Am Ende versickert das Wasser, und alles erstarrt.

Du hast einmal im Blog geschrieben, dass du für kurze Zeit auf der katholischen Fakultät in Wien warst. Wie war das?

Das habe ich natürlich stilisiert, überspitzt beschrieben. Ich bin probeweise hin zur katholischen Fakultät mit einem Rosenkranz um den Hals, 19 Jahre und etwas verrückt, und dann waren dort nur so Religionslehrertypen. Diese bärtigen, bebrillten und Sandalen tragenden Müslis und Quasi-Grünen. “Gutmenschen” eben. Da hatte ich so einen Grauen vor, dass ich einfach wieder geflüchtet bin.

Hast du dort Sinn gesucht?

Ja. Ich habe sehr an der Sinnsuche laboriert. Dieser Mangel an Sinn ist wohl das Krebsgeschwür unserer Zeit. Ich habe mich damals sehr für Tiefenpsychologie und Religion interessiert, und für Jung, der die Götter im Unbewussten finden wollte.

Das Katholische ist nicht gerade eine Subkultur.

Naja. Kommt darauf an. Vielleicht kann man das Traditionalistische im Katholischen inzwischen als eine Art Subkultur bezeichnen.

Und das hat dich angezogen?

Absolut. Das Formstrenge, Sakrale…

Bist du religiös?

Heute nicht mehr. Aber ich habe schon noch diese Ader. Religion, Psychologie und Kunst, das hängt alles eng zusammen.

Glaubst du an einen Gott?

Momentan bin ich wohl Agnostiker. Bist du gläubig?

Ich bin Katholik, weil meine Familie katholisch ist. Das lag nahe, war aber trotzdem eine Entscheidung.

Ja. Du hast dich entschieden. Das ist gut. Das gibt dir vielleicht eine andere Perspektive. Wenn du Christ bist, dann glaubst du, dass der Einzelne gerettet werden kann. Dann interessierst du dich nicht in erster Linie für das Überleben deines Volkes, sondern für das Heil des Einzelnen.

Interessierst du dich für das Überleben deines Volkes?

Hm… ich habe große Hemmungen zu sagen: “mein Volk” Gibt es denn so etwas noch? Und ist es wirklich “meines”? Ich würde es mir natürlich wünschen, und dass es in hundert Jahren die Deutschen noch gibt, und die Wiener und Niederösterreicher, und nicht nur in Indianerreservaten, aber… wer kann das beeinflussen? Es kann sein, dass wir biologisch und à la Spengler am Ende sind. Dann gehen wir halt unter. Wie die Azteken oder die Wenden. Aber die Christen haben vielleicht den Trost, dass das alles nicht so wichtig ist. Alle Dinge auf der Welt vergehen, aber das Heil der Seele ist wichtiger. Eigentlich bin ich jetzt schon wieder fast katholisch.

Seit wann?

Seit wir uns jetzt unterhalten haben.

Lieber Martin, vielen Dank für das Gespräch.

§ 7 Kommentare zu „“Was bedeutet Freiheit? Wie frei und souverän ist man gegenüber sich selbst, und ganz allein auf sich selbst gestellt? ““

  • Toni Roidl sagt:

    »Der Fluss des Lebens gerät ins Stocken, und man hat mit Freiheit verwechselt, was Beliebigkeit war. Die Dinge werden unverbindlich, geben keinen Halt mehr, verlieren ihren Sinn, und niemand scheint sich mehr dafür verantwortlich zu fühlen, die Löcher im Boot zu stopfen. Alles, was man erreicht hatte, wird fahrlässig verschludert…« Das hat M.L. treffend ausgedrückt. Aber nur herumsitzen und bei einem Kaffee auf das Ende warten ist zuwenig. Und wenn es nur ein Rückzugskampf ist – besser als Abwarten!

  • Anonyma sagt:

    M.L. wäre ein guter Freund von Evelyn Waugh gewesen, vielleicht kennt er seine Bücher, die späten, wäre schön.

  • yorck tomkyle c.i. sagt:

    übt an uns mord
    und reicher blüht was blüht

  • drieu sagt:

    Wird das jetzt ein JF-Mitarbeiter interviewt JF-Mitarbeiter Blog?
    Wann folgen Interviews mit Kositza, Müller, Hinz und Kunz? Der Kai Diekmann interviewt sich immerhin gleich selbst – weiß nicht, was ich sinnreicher finden soll …

  • JD sagt:

    Ein sehr interessantes Interview mit treffenden Ansichten. Warum sind sogenannte Rechte immer isoliert?

  • [...] “Wer meint was mit Schwarz-Rot-Gold?” von einem meiner Favoriten im Sezessions-Team, Martin Lichtmesz. Share this:PrintFacebookEmail This entry was posted in Politisches and tagged Frank Lisson, [...]

  • ben sagt:

    Wird diese Seite noch aktualisiert ?


    Kommentar Böcker:
    Vorerst nicht.

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