Der momentane “Bildungsstreik” ist unglaubwürdig, weil hier Linke gegen linke Politik protestieren. Was antwortet die Rechte?
Kommentar zum “Bundesweiten Bildungsstreik 2009″
An 22 Universitäten in der Bundesrepublik läuft der Lehrbetrieb zurzeit nur eingeschränkt – der sogenannte „Bildungsstreik“ geht in eine weitere Runde. Studenten besetzen Hörsäle, verteilen Flugblätter und malen Transparente. Da werden Demonstrationen veranstaltet, Kundgebungen abgehalten und untereinander Solidarität erklärt, möglichst mit Megaphon. Die Presse reagiert vergleichsweise verhalten: Noch im Sommer war über den damaligen „Streik“ in allen Leitmedien in aller Ausführlichkeit berichtet worden, jetzt, ein halbes Jahr später, sind Afghanistan und tote Fußballer den meisten Medien wichtiger.
Ein Protest der Linken
Auch wenn tatsächlich nur ein verschwindend kleiner Teil der Studenten an den Aktionen teil nimmt, lohnt die Frage, wogegen genau hier protestiert wird. Im Gespräch mit tagesschau.de äußert sich Tom Amir im Namen der Münchner Protestierer. Der Herr Amir hat vor vier Wochen sein Philosophiestudium begonnen, findet aber schon jetzt, dass die Regelstudienzeit von sechs Semestern zu kurz ist. Zudem wünscht er sich mehr Spielräume bei der Fächerwahl.
Auch in Potsdam wird demonstriert: „Freie Bildung für alle vom Kindergarten bis zur Uni“ lautet die zentrale Forderung hier. Dies könne man nur durch „die Abschaffung von Selektion und dem damit verbundenen Konkurrenzdenken“ erreichen. Um das Grundsätzliche geht es auch den Organisatoren des „Bundesweiten Bildungsstreiks 2009“: Auf ihrer Netzpräsenz fordern sie die Abschaffung aller Studiengebühren und wollen damit die „soziale Öffnung“ der Universitäten ermöglichen. Trotzdem scheint man sich in der Defensive zu wähnen. Unter anderem aufgrund „willkürlicher Festnahmen“ sieht man sich gezwungen, sich mit „Antirepressionsstrategien“ zu beschäftigen. Gegen die Feindseligkeit des Staates gegenüber den „emanzipatorischen Zielen“ des Bildungsstreiks müsse man sich zur Wehr setzen. Dies geschieht unter anderem durch Zusammenarbeit mit der linksextremistischen Organisation „Rote Hilfe“, für die man auch um Spenden bittet.
Auf den zweiten Blick protestiert hier also nicht die Studentenschaft, sondern die politische Linke gegen die (Hoch-)Schulpolitik der letzten Jahre.
Der Bildungsstreik ist unglaubwürdig
Niemand weist darauf hin, dass der Bologna-Prozess, der ja tatsächlich ein technokratisch-bürokratisches Durcheinander und die Entakademisierung zumindest der geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge verursacht hat, Produkt des linken und liberalen Internationalismus der letzten Jahrzehnte ist. Auch in den angeblich bürgerlichen Medien steht kein Wort davon, dass die überfüllte Massenuniversität vor allem ein Resultat des linken Egalitarismus ist. Die hypertrophe Aufblähung der deutschen Universitäten ist eine direkte Folge der Vorstellung, Bildung sei eine selbstverständliche Dienstleistung des Staates an jeden, der gerade Lust hat und diese Dienstleistung sei zudem auch noch mit keinerlei Gegenleistung verbunden. Hier protestieren Linke gegen linke Politik.
Man könnte das als eines unter vielen paradoxen Vorkommnissen des politischen Alltags beschreiben und dann vergessen. Die angemahnten Missstände sind nur leider tatsächlich in dramatischem Ausmaß Realität und allen Protestes wert. Die Unglaubwürdigkeit des momentanen „Bildungsstreiks“ ist genau deshalb ein Problem, weil er von Hobbyrevoluzzern um der Selbstprofilierung willen so laut geführt wird, dass jede konstruktive Kritik in seinem Schatten steht.
Es ist Zeit für einen Dutschke von rechts
Internationalisten protestieren gegen das Resultat ihres Internationalismus, Egalitaristen protestieren gegen die Vermassung und Nivellierung des Bildungssystems und keine bürgerliche Stimme ist zu hören – jetzt wäre die Zeit für einen Dutschke von rechts und die Etablierung einer nachhaltigen weil konservativen Bildungspolitik! Der Alternativlosigkeit auf linker Seite sind klare Worte entgegen zu stellen: das deutliche Bekenntnis zur Elitenbildung, zu Selektion und Leistungsprinzip ist aus der Politik nicht zu erwarten – es muss jetzt aus der Studentenschaft selbst kommen.

Es wird sich zeigen, wohin die von den Linken eingeleitete “neue” Bildungspolitik führt… Zumindest in den Geisteswissenschaften besteht nach Bologna nun ein noch größerer Leistungszwang.
Nun stehen sie unter Druck… Und ich bin mir sicher, dass sich hier effektiv die Spreu vom Weizen trennt.