“Ich versuche, argumentativ vorzugehen und die Fragen grundsätzlich anzugehen.”

7. November 2009 § 5 - von Martin J.G. Böcker

Karlheinz Weißmann im Gespräch

Man kann über ihn lesen, er sei der “spirtitus rector” der Neuen Rechten. Gemeinsam mit Götz Kubitschek hatte der Gymnasiallehrer 2000 das Institut für Staatspolitik gegründet, und leistet seitdem mit seiner “Metapolitik” politisch-philososphische Grundlagenarbeit für die deutsche Konservative.

Nun. Ein “spiritus rector” wohnt wahrscheinlich auf einer Anhöhe in so einer Art Schloss. Wer Einlass begehrt, klopft an einem schweren, dunklen Eichenportal und wird vom Butler in einen Wartesaal geleitet, wo man eine Ahnengalerie in Öl betrachtet – bis der “rector” aus seinem wuchtigen Ledersessel heraus die Audienz gewährt.

Aber: Pustekuchen. In einer hellen Wohnsiedlung mit Spielstraße fahre ich mindestens fünf Mal an seinem Haus vorbei, bis ich kapiere, dass dieses weiße Einfamilienhaus mit großen Fenstern genau die Hausnummer trägt, die ich suche. Ich klingle. Der “rector” öffnet selbst, sieht freundlich aus und hat Schlappen an. Das Haus: Schicke Möbel, hell, viele Bücher. Kein röhrender Hirsch.

Guten Tag Herr Weißmann. Ich interessiere mich sehr für Ihren Begriff von „Metapolitik“ und die Ziele, die Sie damit verfolgen. Auf welche Kernfragen beziehen Sie sich?

Kurz gesagt: Überleben des deutschen Volkes, Überleben der abendländischen Zivilisation, des Christentums, die Frage überhaupt, was aus unseren Institutionen werden soll. Ich versuche, argumentativ vorzugehen und die Fragen grundsätzlich anzugehen, unabhängig von der Frage, ob ich das für durchsetzbar halte. Ich glaube, dass da ein entscheidender Unterschied zur Politik besteht. Politik muss immer die Frage der Durchsetzbarkeit stellen, für die Metapolitik ist das aber sekundär. Die Metapolitik richtet sich zwar auch nicht in irgendwelchen Wolkenkuckucksheimen ein, aber sie stellt nicht erst in zweiter Linie die Frage nach der Machbarkeit. Sie befasst sich zuerst mit dem Grundsätzlichen.

Also eine philosophische Grundlagenarbeit?

Ich bin über den Begriff des Philosophischen nicht ganz glücklich. Ich bin ja kein Philosoph, sondern Historiker. Ich möchte veranschaulichen, einen Begriff vom Ganzen machen, von großen Zusammenhängen. Das allerdings mit dem typisch konservativen Vorbehalt, dass ich sehr wohl weiß, dass eine Totaltheorie nicht möglich ist. Aber Interpretation und Prognose sind sehr wohl möglich. Die Prognosefähigkeit ist ohnehin eine große Stärke der Konservativen. Wenn Sie zum Beispiel lesen, was in den 60er Jahren von konservativen Kritikern geschrieben wurde, zu Themen wie Bildungsreform, Deutschlandpolitik, Ostpolitik, Emanzipationskonzept der Linken, zur Pille, zum multikulturellen Konzepte und so weiter und so fort. Es ist eine unendlich lange Liste. Sie konnten sich zwar nicht durchsetzen, aber sie hatten immer Recht.

Wenn Sie von den Konservativen sprechen, die Sie mit „wir“ oder „uns“ bezeichnen, wen meinen Sie damit genau?

Es gibt schon so etwas wie eine Szene im Umfeld von Sezession und Junge Freiheit und Blaue Narzisse und diversen kleinen Initiativen. Die „gehören“ eben dazu. Man sieht die Spitze wie Stein, Kubitschek, Lehnert, Weißmann, aber da ist auch ein großer Teil unter der Wasseroberfläche, wie bei einem Eisberg.

Wie möchten Sie diesen Eisberg mobilisieren?

Also die Konservativen vertreten bestimmte Positionen, die von einem Großteil der Bevölkerung als richtig angesehen werden. Aber aufgrund bestimmter historischer Umstände gibt es massive Behinderungen, dem Geltung zu verschaffengroße Begrenzungen durch die political correctness. Die politischen Klassen haben sich in den westlichen Ländern damit so dramatisch von ihren Wählern entfernt, dass sie überhaupt keine Notwendigkeit sehen, ihr Überlegenheitsbewusstsein, das sie mit diesem Konzept political correctness auch noch kultivieren, irgendwie in Frage zu stellen. Sie haben Mechanismen des Machterhalts ausgebildet, die es relativ gleichgültig erscheinen lassen, ob man jetzt wirklich das tut, was der Demos will oder nicht. Wenn man sich vor Augen hält, wie dramatisch die Elitenwechsel zwischen 1918 und 1970 waren, dann wird man feststellen, dass es in den meisten europäischen Ländern drei, vier Elitenwechsel gab. Leute, die eben noch die outcasts waren, standen plötzlich an der Spitze. Seit 1970 ist das nicht mehr der Fall. Man kann beobachten, dass die politische Klasse sich immer mehr abgeschlossen hat. 1989 hätte man ja vermuten können, dass es zu einem Elitenwechsel kommt, aber das hat überhaupt nicht stattgefunden. Es hat sich ein Konsens von Stoiber auf der rechten Seite bis Habermas auf der linken gefunden, und der gilt bis heute.

Sie möchten mit der Metapolitik also eine Grundlage schaffen, um die Elite zu wechseln?

Ja. Wobei ich aber betonen möchte, dass ich mir klar darüber bin, dass ich lediglich denkerische Arbeit leiste. Was dann praktisch von bestimmten Leuten daraus gemacht wird, steht auf einem anderen Blatt. Von konservativer Warte ist entscheidend, dass man ehrlich ist und sagt: Es geht um Einsicht, wirkliche Einsicht haben nur Wenige. Das kann nur eine Elite betreffen, es ist absurd zu behaupten, dass plötzlich Millionen von Menschen die tatsächlichen Zusammenhänge begreifen. Für einen Elitenwechsel bedarf es einer heiklen Situation, in der ein Wechsel möglich ist. Wenn es da zu einer krisenhaften Zuspitzung kommt, dann zerbricht das bestehende Gefüge insgesamt. Und das ist im Grunde genommen die einzige Möglichkeit, in der ich einen Elitenwechsel für realistisch halte. Für die Konservativen ist wichtig, dass man eine derartige Situation in den Blick nimmt, sich darauf vorbereitet.

Also ein Elitenwechsel ist nur dann möglich, wenn dieses System, sprich Bundesrepublik Deutschland, Grundgesetz, auseinander bricht?

Mir würde es völlig ausreichen, wenn es innerhalb des Verfassungssystems einen Austausch gäbe. Ich halte das Verfassungssystem an sich für gut und habe überhaupt kein Problem damit. Es hat ja auch seine Stabilität über einen unglaublich langen Zeitraum unter Beweis gestellt. Schwierigkeiten habe ich aber damit, wenn das Grundgesetz in Wirklichkeit eine mehr oder weniger beliebige Konstruktion ist und nicht die Verfassung des deutschen Volkes. Also ein rein technisches Verfahren, um ein multikulturelles Irgendwas zusammenzuhalten. Dann bin ich der Meinung, dass ich die Verfassung verteidige und die Anderen diejenigen sind, die als Verfassungsfeinde zu betrachten sind. Und ich bin der Meinung, dass die Verfassung sich faktisch in der Gefangenschaft der Linken und der Liberalen befindet. Ich würde eher UM die Verfassung kämpfen und nicht GEGEN sie.

Glauben Sie an einen Elitenwechsel über Wahlen?

Das ist eine denkbare Möglichkeit. Es gibt auch einen Elitenwechsel, der sich innerhalb der bestehenden Parteien entwickeln kann. Sogar das wäre denkbar. Wovon man sich freimachen muss, ist so etwas wie die Vision des Barrikadenkampfes. Wer sich so etwas vorstellt ist ein Romantiker, daran habe ich kein Interesse. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendwelche Leute mit wehenden Fahnen auf irgendwelchen Straßensperren stehen und damit etwas zu erreichen ist.

Das ist vielleicht eine Vorstellung bei vielen jungen Neurechten, dass sie schon fast hoffend auf den großen Zusammenbruch warten.

Ja. In Gesprächen mit solchen Leuten frage ich immer: „Wann ist denn das letzte Mal in Europa auf diese Weise ein Regime-Wechsel vorgenommen worden?“

1789?

Ungefähr. Ich wäre auch bereit, 1917 zu akzeptieren, wenn man Russland mit zu Europa zählt. Aber eben unter extremen Umständen, in einem total maroden Land, das sich in einem Krieg befindet, den es auf jeden Fall verlieren muss. Aber ansonsten spielt so etwas doch überhaupt keine Rolle.

Begründen Sie Ihre Ziele rational oder emotional?

Die Frage kann man so nicht beantworten. Jede Letztentscheidung liegt außerhalb der Ratio. Meine Entscheidung zu Gunsten meines Volkes, zu Gunsten des Christentums, zu Gunsten Europas ist nicht weiter ableitbar. Aber alle Schlussfolgerungen sind das natürlich. Und jeder meiner Kontrahenten, der sagt, er sei aber für die Weltrepublik, für Kriege im Namen der Menschenrechte, etc., der kann das natürlich auch nicht rational begründen. Denn es muss an irgendeinem Punkt eine Entscheidung getroffen werden, was wert ist und was nicht wert ist – um das jetzt mal vereinfacht zu formulieren. Und Konservativen ist das vollkommen bewusst, während die Linken glauben, sie könnten eine rationale Totalbegründung liefern.

Befinden Sie sich in einem Machtkampf?

Ja, in gewisser Weise befindet man sich natürlich immer im Machtkampf. Alleine diese unglaubliche Wut, mit der wir bekämpft werden, spricht für unsere unglaubliche Bedeutung.

Sind diese Gedanken jetzt ein Ende von einem lange Jahre währenden Lese-, Wahrnehmungs- und Denkprozess, oder war Ihnen so etwas schon in den 80ern klar?

Das sind viele Konsequenzen, die ich seit Mitte der 90er Jahre aus der politischen Entwicklung gezogen habe. Bis Mitte der 90er Jahre war es meine Idee, die politische Machtverteilung in Ordnung zu bringen. Ich bin in einer Welt groß geworden, in der die Machtverhältnisse ausgeglichener waren. Es gab eine Linke, eine linke Mitte, eine rechte Mitte und eine Rechte. Durch die Veränderungen in den 70er Jahren ist die Rechte aber weggefallen. Und plötzlich gab es nur noch Linke, mit sehr viel Macht, eine linke Mitte und eine rechte Mitte. Und ich habe immer gesagt, dass das ein völlig ungesunder Zustand ist. Und der gesunde Zustand muss wiederhergestellt werden, es muss auch wieder eine Rechte geben. Das war eigentlich meine Idee.

Sie waren also nicht „schon immer“ konservativ?

Das ist ein bisschen schwer zu sagen. Ich komme weder aus einer rechten Familie, noch aus einem rechten Milieu. Ich bin rechts „gemacht“ worden. Also dergestalt, dass man mir in verschiedensten Situationen erklärt hat, dass alle meine Auffassungen objektiv rechts seien und ich schließlich zu der Einsicht gekommen bin, dass das stimmt. Ich war auf einem roten Gymnasium, da war eigentlich jeder links, außer mir und ganz wenigen Ausnahmen. Da bin ich mit meinen Vorstellungen in vielen Situationen natürlich angeeckt, ohne mich ausdrücklich als konservativ zu bezeichnen. Dafür haben dann schon meine Mitschüler und Lehrer gesorgt, so ab der elften Klasse wurde das mehr und mehr deutlich.

Mit 15, 16 muss das noch sehr schwer sein, so alleine dazustehen?

Ja. Bis zu einem gewissen Grad. Aber Sie dürfen auch die Eitelkeit des Menschen nicht unterschätzen. Es war natürlich auch ein „Alleinstellungsmerkmal“, das würde man jedenfalls heute sagen.

Es erscheint erstmal paradox, wenn man als Konservativer ein Rebell ist.

Ja. Aber wenn Sie sich die Geschichte der Konservativen ansehen, dann werden Sie feststellen, dass ihre größten Gestalten eigentlich alle ziemlich rebellisch waren. Ob das jetzt ein Unruhestifter wie Burke war oder die Führer der Vendée in der Französischen Revolution gewesen sind, von der Marwitz im alten Preußen, sogar viele Konservative in den relativ ruhigen Verhältnissen des Kaiserreichs hatten einen sehr rebellischen Geist, weil es eben nicht einfach darum geht, dass alles so bleiben soll, wie es ist, und das gilt dann natürlich für die Konservativ-Revolutionären, für den rechten Widerstand gegen das NS-Regime, für einen Teil der christlichen Opposition in der DDR und für meine „Denkmeister“, vor allem Mohler, der ein ausgesprochener Querkopf war.

Würden Sie sagen, dass man den Linken, den Rechten oder den Liberalen schon in sich hat?

Ja, das ist so. Also mindestens bei den ausgeprägten Typen, nicht der Durchschnitt. Die meisten Menschen haben Auffassungen religiöser, kultureller, politischer Art, die einfach als normal gelten. Aber es gibt in jeder Fraktion eben einen besonders durchgeprägten Typus, einen Idealtypus auf zwei Beinen, oder wie auch immer Sie das jetzt formulieren würden. So wie es 1933 natürlich auch Leute gegeben hat, denen man 1000 Mal sagen konnte, es wäre jetzt aber klüger, wenn du jetzt den Rand hältst, die das aber nicht konnten. So, wie es das nach 1945 natürlich auch gegeben hat. Ich fürchte, dass ich unter diese Kategorie falle. Also meine Wahlmöglichkeiten sind diesbezüglich einfach viel begrenzter, als bei den meisten meiner Mitmenschen.

Stellen Sie sich also eine gerechte Gesellschaft mit einer ausgeglichen starken Linken, Rechten und Mitte vor?

Also der Begriff der Gerechtigkeit behagt mir in diesem Zusammenhang nicht besonders. Eine gute Ordnung ist im Prinzip eine konservative Ordnung. Liberale und Linke gehören von Natur aus in die Opposition. Das heißt, sie sind schon ewig und sie sind auch als Korrektiv von Nutzen, aber als dominante Faktoren sind sie fatal. Das ist einfach so, auch außerhalb des Politischen. Schauen Sie sich doch mal unsere jämmerliche Kulturszene heute an. Und wenn Sie sich fragen, wie das eigentlich sein kann, dass da dauernd alle Kloaken geöffnet werden, dann ist die Antwort doch ganz leicht. Es liegt schlicht daran, dass die Linke in den 60er Jahren kulturell die Macht übernommen hat und seitdem ihr Spiel alleine spielt. Gleiches gilt für die Wissenschaft. Das hängt eben mit einem allgemeinen Verfallsprozess zusammen. Gestern war ich in der Universitätsbibliothek und habe festgestellt, dass es ein halbes Dutzend Zeitschriften über historische Anthropologie gibt: Englisch, französisch, deutsch. Das ist alles nur Makulatur. Unfassbar! Man muss sich das mal ansehen, was da an Themen bearbeitet wird. Bei einer so zentralen Frage, wie dem Zusammenhang zwischen dem Historischen und dem Anthropologischen… Und kein einziges relevantes Thema kommt zur Sprache. Weil die scientific community natürlich mit nichts anderem beschäftigt sind, als mit ihren intellektuellen Glasperlenspielen. Das ist einfach so.

Erleben Sie oft, dass jemand sagt: „Ja, Sie haben recht, aber ich möchte das nicht so laut gesagt wissen.“

Ja, ist ein Dauerbrenner.

Wie oft erlebt man das als persönliche Enttäuschung, wenn die dann öffentlich nicht zu Ihnen stehen.

Als Enttäuschung nehme ich das nicht mehr wahr. Schon lange nicht mehr.

Wie lange hat das gedauert?

Ich habe um 83 angefangen, mich politisch-ideologisch schriftlich zu äußern. Und ich habe das natürlich mit einem gewissen Idealismus gemacht. Und ich glaube, so Anfang der 90er Jahre hatte ich meine Lektion endlich begriffen. Dass man sich im Zweifelsfalle auf niemanden verlassen kann, abgesehen von einer ganz kleinen Schar. Und natürlich, das darf man auch nicht vergessen, dass Loyalität häufig eher im persönlichen verankert ist, als im politischen. Also ich habe von Schülern zum Beispiel, die politisch nicht mit mir einer Meinung sind, sehr viele Loyalitätsbeweise erhalten.

Und wie ist Ihr Leben an der Schule?

Normal. Ich bin sehr gerne Lehrer, ich mache das jetzt auch schon fast 30 Jahre. Und wenn das Lehrersein nur darin bestünde, unterrichten zu müssen, dann wäre ich sogar noch lieber Lehrer. Meine Kernkompetenz ist einfach das Unterrichten. Das Schreiben ist ein sekundäres Moment.

Also haben Sie in Ihrem Hauptberuf mit Ihrer politischen Einstellung überhaupt kein Problem?

Ich bin immer noch Studienrat und ich werde auch nie etwas anderes werden. Das ist sicherlich auch allen Beteiligten klar. Aber die Ausübung meines Berufes stellt kein Problem dar, bzw. es gibt nur die Probleme, die berufsbedingt sind, und die es in allen Berufen gibt. Dass man von der Sache her zum Beispiel Schwierigkeiten haben kann.

Als Sie Lehrer geworden sind, hatten Sie da den Ehrgeiz, mehr als ein Studienrat zu werden.

Ja.

Wie gehen Sie mit der Frustration um, dass das nicht geklappt hat?

Das mit der Frustration ist auch eine ambivalente Sache. Das Lehrersein hat sich ja dramatisch verändert. Ich bin ja noch unter ziemlich normalen Umständen Lehrer geworden. Die Schule, an die ich zuerst gekommen bin, galt als eines der konservativsten Gymnasien. Und die Lehrerschaft dort bestand zu einem Drittel aus 68ern und zu zwei Dritteln aus älteren Kollegen konservativer Prägung. Da waren von fünf Schulleitungsmitgliedern vier korporiert. Aber diese Schule ist heute nicht wieder zu erkennen. Die hat sich genauso in eine Quasi-Gesamtschule verwandelt, wie alle anderen Gymnasien das auch getan haben. Und wenn Sie sich diesen Hexensabbat ansehen, der heutzutage als „Lehrer-Ausbildung“ bezeichnet wird, dann muss ich Ihnen sagen: Ich könnte heutzutage weder eine Schule leiten, noch Lehrer ausbilden. Also ich müsste ja ununterbrochen entweder mich selbst verraten oder Amok laufen. Vielleicht nicht mit einer pumpgun, aber verbal. Wohingegen die Existenz an der Basis dem Lehrenden nach wie vor einen erheblichen Freiraum gibt. Da gibt es natürlich links und rechts Grenzen, aber es hat noch nie sachliche Beschwerden gegeben. Und ich bin Lehrer geworden, um zu lehren. Ich hatte niemals einen Verwaltungsposten angestrebt.

Sehr geehrter Herr Weißmann, vielen Dank für das Gespräch.

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§ 5 Kommentare zu „“Ich versuche, argumentativ vorzugehen und die Fragen grundsätzlich anzugehen.”“

  • Torres sagt:

    “Das ist einfach so” und “sie hatten einfach Recht”. Letzten Endes ist das die Essenz dieses Gesprächs.

    Wie sonst kann man Überlegenheitsgefühl und diskussionsverhindernde Machtinstrumente kritisieren, wenn einem das selber auch nicht ganz fremd ist? Da kann ja nur die Einstellung dahinter stehen, daß das auf der einen Seite eben ganz schlimm und auf der anderen (der eigenen) legitim ist. Wie schön daß einem da das Argument von der nicht aufgehenden Welt zur Verfügung steht, damit läßt sich ja noch jeder Widerspruch und auch jede Sauerei quittieren.

    Im Grunde geht es hier um Überdruß, um nicht mehr diskutieren wollen, um auf den Tisch hauen. Ist eben so, ich hab recht. Der argumentative Widerpart läßt sich dann trefflich auf seinen Anspruch auf “Totaltheorie” reduzieren und schon tritt man nach dem Kopf statt nach dem Ball.

    Und überhaupt, linke Herrschaft? Auf der Spielwiese, ja. Die schweren Machthebel sind in Deutschland garantiert nicht wirklich links besetzt.

    Der Impuls der aus der Neuen Rechten spricht, dürfte tatsächlich viele Menschen ansprechen. Mit gewolltem Ausblenden der eigenen Legitimationsmängel (Gerechtigkeit egal, geht halt nach wie vor nicht auf, das Biest) wird man aber keine neuen Eliten ausbilden, sondern nur herrschsüchtigen Pöbel mit Abitur der jetzt mit der Wahrheit im Gepäck mal rumprobieren will.

  • Sir Toby sagt:

    # Torres

    ” Die schweren Machthebel sind in Deutschland garantiert nicht wirklich links besetzt.”

    Sondern?

  • Meyer sagt:

    Herr Weißmann ist ein Rationalist.

    Die Gestaltung der Wirklichkeit richtet sich aber nicht nach dem rational Wünschenswerten, sondern nach dem Notwendigen.

    Zeiten, in denen man “einfach so” mal die Formen verändern kann, sind mindestens so selten, wie der Austausch der politischen Eliten oder Barrikadenkämpfe.

    Herr Weißmann ist letztlich ein Ideologe mit einem geschlossenen Menschen- und Weltbild. Da unterscheidet er sich in nichts von einem Marxisten.

    Dankbar haben wir ihm zu sein, weil den interessierten, nicht völlig verdummten und nicht ganz feigen Menschen dennoch viel richtiges zu sagen hat und Irrtümer “der anderen” aufzeigt. Dies erreicht aber noch nichteinmal ein Hundertstel eines Hundertstels der Anzahl an Menschen, die notwendig wären um innerhalb des Systems Veränderungen herbeizuführen.

    Herr Weißmann verkennt, daß die Baader/Meinhof-Gruppe und die gewalttätigen Ausschreitungen den Machtwechsel der Linken erst ermöglicht haben.

    Dazu kommt eine entsprechende Medienlandschaft und eine politische Organisation, die das alles auffängt, bspw. die Grünen.

    Einen bedeutenden rechten Politoffizier mag Herr Weißmann schon abgeben. Alleine das ist jedoch nicht hinreichend.

  • Neo sagt:

    Weißmann und das IfS haben ja nie behauptet, Fans des Endlosdiskurses zu sein, daher kann ich die Bemerkung von Torres nicht nachvollziehen. Diskursverhindernde Machtinstrumente existieren, egal ob Linke, Liberale oder Rechte über sie verfügen. Und Weißmann hat auch nie verheimlicht, daß ihm das klar ist und daß es auch hierin nicht darum geht, die Welt zu verändern, sondern Vertreter derjenigen Positionen über die Machtinstrumente verfügen zu lassen, die er für die richtigen hält. Ich verstehe nicht, wo da ein Legitimationsmangel liegen soll; es handelt sich nur um das Aussprechen von Selbstverständlichkeiten. Das ist einfach so. :P

  • [...] Weißmann fasste seine persönlichen Erfahrungen zu diesem Thema vor geraumer Zeit in einem Interview wie folgt zusammen: „Und ich glaube, so Anfang der 90er Jahre hatte ich meine Lektion endlich [...]

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